WISSENSCHAFT IN KUNST
(OTZ, 26.09.08)


Beim Kehren des Marktes fällt der
Blick von KSJ-Mitarbeiter Dieter Barth
auf die neuen Ausstellungsbilder
des Vereins habileté e.V. ...

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Die Zeit und der dreidimensionale Raum

Allgemeines

Plakat "Benachbarte Dimensionen"
Allgemeine und Theoretische Soziologie: Die Moderne als Beschleunigungsgeschichte

Die Zeit – Beschleunigung und Entschleunigung
Die Technik macht es möglich, wir sparen Zeit wo es nur geht.  Schneller fahren, zügiger informieren und sich rasant verändern. Immer kürzer sind die Zeitspannen in denen Aussehen, Beruf, Freundschaften usw. ersetzt werden. Auf der einen Seite Zeitgewinn, auf der Anderen Beschleunigung von Kommunikation, Produktion und Transport. Der Bedarf, in immer weniger Zeit immer mehr zu bewerkstelligen, wächst und gilt als positiv.

Der Forschungsbereich Allgemeine und theoretische Soziologie erhielt unter Leitung von Prof. Dr. Hartmut Rosa vom Institut für Soziologie der Friedrich-Schiller Universität Jena vor kurzem einen Forschungspreis für neuste Erkenntnisse über das Phänomen Zeit und deren Beschleunigung in modernen Gesellschaften. Grund genug das Thema Be- und Entschleunigung moderner Gesellschaften in den Focus einer Ausstellung zu stellen. Der habileté e.V. hat dafür künstlerische Arbeiten, die sich mit den Begriffen der Zeit und ihrer Visualität beschäftigen gesucht und zusammengestellt. Es sind Arbeiten aus dem Bereich der Videokunst, Malerei aber auch Objektkunst zu sehen, die ausgewählten Auszüge aus Texten und Interviews der Jenaer Forschungsarbeit gegenübergestellt werden. Für die Auswahl der Texte hat das Institut für Soziologie freundlicherweise Materialen zur Verfügung gestellt.

3- D Fraktale - Mathematik in ihrer schönsten Form?
„ Im Jahr 1980 ist ein geometrisches Gebilde der modernen Mathematik gleichsam über Nacht zum Kultobjekt junger Leute geworden - die nach dem Mathematiker Benoît Mandelbrot benannte Mandelbrotmenge. Das Besondere ist, dass es sich um ein Fraktal handelt. Das heißt, vergrößert man einen Ausschnitt aus seinem Randbereich, tut sich ein Formenreichtum auf, den man vorher nicht sehen konnte. Und auch jede weitere Vergrößerung eines noch so kleinen Ausschnitts ist immer wieder mit neuen Strukturen gefüllt. Diese komplexen Strukturen mit ihrem ungeheuren Formenreichtum und ihrer eigenwilligen Schönheit haben selbst Menschen in ihren Bann gezogen, die sonst lieber einen großen Bogen um die Mathematik machen. Die Mandelbrotmenge ist vermutlich das formenreichste, geometrische Gebilde, das die Menschheit kennt.“ (FAZ 11/2009)

Die Ausstellung präsentiert, die neuesten sensationellen 3 dimensionalen Bilder des englischen Computerexperten Daniel White, die ihm mit Unterstützung des Mathematikers Paul Nylander gelungen sind.
Seit dem erfolgreichen Film Avatar sind Jugendliche begeistert von den 3 dimen-sionalen Darstellungen im Film und dies auf der ganzen Welt. Diese Faszination ist jedoch nicht neu.  

Die beiden Wissenschaftlern Daniel White und Paul Nylander stellen dem Verein Bilder zur Verfügung die diesen Formenreichtum in 3- Dimensionalität darstellen.
Wir fragen uns, sind diese Darstellungen Kunstwerke der reinsten Mathematik? Kein Intensionsgeleitetes zutun eines Künstlers führt zu diesen Darstellungen sondern Berechnungen eines Wissenschaftlers. Wir möchten die Besucher der Ausstellung einladen ihre Assoziationen zu finden und gleichsam für die Mathematik- in ihrer schönsten Form- begeistern. 

Termine

Presseeinladung zum 17.11.2011 um 11.00 Uhr

Eröffnung
am 17.11.2010 um 19.00 Uhr

Ausstellungszeit
vom 18.11.2011 bis 27.02.2011

Ort: Galerie Stadtspeicher Jena


Unser Programm zu Eröffnung:

"Von der Idee zum Projekt" mit den Organisatorinnen und den Künstlern

Musik: Robert Krainhöfner und Frank Otto spielen Saxophon und Gitarre und
natürlich wollen wir mit Euch gemeinsam anstoßen.

Künstler

Eva Wal: „Largo“, Videoloop, 3 Minuten
Martine Metzing-Peyre
Martine Metzing-Peyre "Die Woche"
Bettina Schünemann: "Zeitzonen"
Antonia Wenzlawski
Daniel White: „The Mandelbulb“

Eva Wal aus Berlin/Bonn erarbeitete das Objekt „Largo“ während eines Stipendienaufenthalts im Künstlerdorf Schöppingen 2008. In der Mitte des Bildes steht ein Metronom, dessen Pendel langsam und gleichmäßig hin und her schwingt. Direkt unterhalb des Pendelausschlags nach rechts und direkt unterhalb des Pendelausschlags nach links schwebt jeweils ein weißer Papierkranich. Langsam sieht man von links unten, direkt unterhalb des einen Kranichs einen Feuerfunken wie aus dem Nichts emporklettern. Er verschwindet im Papierkranich. Plötzlich steigt Rauch auf. Der Kranich hat Feuer gefangen, er steht in Flammen und verbrennt. Der Kranich stürzt, er verschwindet aus dem Bild, während der Feuerfunken weiter nach oben aus dem Bild klettert. Fugenartig hat dasselbe Geschehen auf der rechten Metronomseite eingesetzt. Nach kurzer Einblendung des Titels „Largo“, einer Tempobezeichnung, die gleichzeitig ein ruhiges, getragenes Musikstück assoziieren lässt, geht es von vorne los. 

Martine Metzing Peyre geboren in Dijon (Frankreich) lebt und arbeitet seit 30 Jahren in Bonn. Sie ging auf die Suche nach der Zeit und das Maß der Zeit, dass wir Woche nennen. Nicht nur die ursprünglichen, auch die heutigen Bedeutungen der Wochentage in ihrer stetig gleichen Abfolge waren für Sie dabei von Interesse.

Bettina Schünemann aus Gotha zeigt eine Arbeit die sich mit zeitlichen Kreisläufen beschäftigt. Das über 2,50 m lange Bild heißt „Zeitzonen“ und relativiert beim Betrachter die festgelegte Zeitabschnitt auf der Welt aber auch historisch wichtige Zeitpunkte und Jahreszahlen.

Dirk Seeger aus Leipzig veranschaulicht mit dem Film "Zeit Schleifen" zwei gegensätzliche, idealisierte Bewegungsmodelle. Zum einen wird eine sequenziell gegenläufige Rotation (Schaukel) gezeigt, indem ein Bewegungsablauf um einen festen Punkt erfolgt. Zum anderen wird die Translation in Szene gesetzt, wobei die Bewegung Zug um Zug von einem Punkt zu einem weiteren erfolgt.

Antonia Wenzlawski
"Weil mir das Langsame fehlte, wollte ich das Langsame kennenlernen.
Als ich den Traktor kaufte, wusste ich, dass ich mich auf eine ungewohnte Langsamkeit einlassen würde.
Ich erfahre mir eine neue Wirklichkeit, und noch nie sang ich so laut wie auf meiner langsamen Reise."

Daniel White
"Ich wurde im Januar 1978 in London GB geboren und lebe jetzt in Bedfordshire. 2003 machte ich meinen Abschluss an der University of East Anglia in Musik und Computer Science. Mein Interesse an Kunst und Wissenschaft ermöglichte es mir, diese Verbindung zwischen beiden Feldern zu erforschen und 2007 entdeckte ich die grundlegende Formel (erweitert durch Paul Nylander), die hinter einer 3D-Version des klassischen Mandelbrot Fraktals. Das daraus resultierende Objekt – jetzt bekannt als die Mandelbirne – offenbarte ein Design von unglaublicher Raffinesse und Schönheit und ermöglicht grenzenlose Details unabhängig von der Vergrößerung. Zusätzlich zu meiner künstlerischen Arbeit komponiere ich gern und arbeite z. Z. als Klavierlehrer und Webmaster. Eines meiner aktuellen Projekte beinhaltet die Entwicklung einer Software, die es ermöglicht, sich durch eine jegliche mathematische oder abstrakte Form wie die bereits genannte Mandelbirne hindurchzubewegen."